Der Seidenschwanz – Eine punkige Ausnahmeerscheinung

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Bombycilla garrulus bird eats berries on a tree

Der Seidenschwanz – Eine punkige Ausnahmeerscheinung

Im Mittelalter galt der Seidenschwanz als Vorbote für Krieg oder einen besonders kalten Winter. Heutzutage nehmen Vogelfreunde teilweise mehrere Stunden im Auto auf sich, um eines der prächtigen Tiere in freier Wildbahn beobachten zu können. Hier erfahrt Ihr alles, was Ihr über den Seidenschwanz wissen müsst.

Kriegsvogel, Pestvogel oder Sterbevogel: Die Liste der Namen für den Seidenschwanz ist lang und keiner von ihnen klingt besonders nett. Der schlechte Leumund, den der Seidenschwanz bei den Menschen des Mittelalters besaß, ist jedoch einzig auf den damals stark vorherrschenden Aberglauben zurückzuführen. Denn der Seidenschwanz, dessen wissenschaftlicher Name Bombycilla garrulus lautet, ist weder für Seuchen und Kriege noch für harte Witterungsbedingungen oder ausfallende Ernten verantwortlich. Er gehört lediglich zu der Gruppe der Invasionsvögel und macht sich, wenn es zur Winterzeit in seinen Brutgebieten in den Wäldern Skandinaviens und Russlands zu Futterknappheit kommt, in Schwärmen auf den Weg nach Mitteleuropa, wo er dann zumeist bis in den April anzutreffen ist. Sein unregelmäßiges Auftauchen hatte zur Folge, dass er den Ruf eines Unglücksboten erhielt.

Woran erkennt man einen Seidenschwanz?

Der Seidenschwanz ist in unseren Gefilden ein eher seltener Gast. Wenn er sich dann aber in Deutschland oder den europäischen Nachbarländern blicken lässt, dann macht er gleich in mehrfacher Hinsicht auf sich aufmerksam. Zuerst wäre da sein eigenwilliger Gesang. Der Ruf des Seidenschwanzes erinnert ein wenig an den Klang einer Trillerpfeife und ist relativ hoch. Auf die Dauer kann er etwas anstrengend sein, ist dafür aber auch für ungeübte Ohren gut erkennbar. Auch äußerlich ist der Vogel aufsehenerregend. Er wird zwar nur durchschnittliche 17-20 cm groß und hat eine Flügellänge von 12 cm, sein Federkleid ist dafür aber außergewöhnlich schön, ja fast ein bisschen exotisch. Er hat einen rotbraunen Schwanz mit einer leuchtend gelben Spitze und grau-braune Flügel, die durch die scharlachroten „Plättchen“ an den Armschwingen sowie den gelben und weißen Akzenten sofort ins Auge fallen. Sein Bauch- und Rückengefieder ist ebenfalls grau-braun, sein Schnabel schwarz und eher kurz. Das herausstechende Merkmal des Vogels ist jedoch seine rötlich-braune Federhaube, die hoch in die Luft ragt und an einen Irokesenschnitt erinnert.

Der Seidenschwanz mag es hochprozentig

Auch bei der Nahrungsaufnahme regiert beim Seidenschwanz von Zeit zu Zeit der Punk. Während er sich im Sommer und Frühling vorwiegend von Insekten ernährt, macht er sich im Winter gerne über Früchte, wie zum Beispiel unterschiedliche Beerensorten oder Hagebutten, her. Bei der Auswahl lassen aber besonders die jungen Seidenschwänze nicht immer die nötige Vorsicht walten. Denn obwohl der Seidenschwanz über eine ungewöhnlich große Leber verfügt und dadurch Alkohol eigentlich gut verarbeiten kann, kommt es trotzdem immer wieder vor, dass Schwärme von Seidenschwänzen nach dem Genuss von zu vielen Früchten im gegorenen Zustand mit deutlich erhöhtem Alkoholgehalt im Blut unterwegs sind. Was sich zuerst lustig anhört, kann durchaus zum Problem werden, denn im alkoholisierten Zustand können Seidenschwänze genau wie wir Menschen besonders im Verkehr schnell zur Gefahr für sich selbst und ihre Umwelt werden und beispielsweise bei dem Kontakt mit einer Fensterscheibe oder einem Fahrzeug zu Tode kommen.

A Star is Born

Wenn zwischen November und April ein Schwarm Seidenschwänze in Deutschland gesichtet wird, dann spricht sich dies in der Vogelbeobachter-Szene meist schnell herum. So war es auch in diesem Jahr im Februar, als nach etlichen Jahren wieder Seidenschwänze in Gießen anzutreffen waren. In der Lokalpresse war zu lesen, dass Hobby-Ornithologen aus ganz Hessen sich im Stadtpark einfanden und mehrere Tausend Fotos von den seltenen Wintergästen geschossen wurden. Mal sehen, wann die hübschen Vögel das nächste Mal in Gießen oder in anderen Städten Deutschlands zu sehen sind. Denn auch bei den Seidenschwänzen gilt: Mach dich rar – sei ein Star.

 

FOTO: Yomka

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