Räuber und Gendarm: Der Eichelhäher hat viele Gesichter

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European blue jay with wallnut

Räuber und Gendarm: Der Eichelhäher hat viele Gesichter

Wusstet Ihr, dass der Eichelhäher ein genialer Stimmenimitator ist und eine wichtige Rolle bei der Aufforstung unserer Wälder spielt? Dies und mehr erfahrt Ihr in unserem Kurzporträt.

Vielleicht kommt einigen von Euch die Situation bekannt vor: Man spaziert entspannt und ohne etwas Böses zu ahnen durch den Wald, und plötzlich ertönt ein wildes Kreischen, das einem durch Mark und Bein geht. Urheber des schrillen Alarmsignals ist mit hoher Wahrscheinlichkeit der Eichelhäher, der von einigen Vogelfreunden aus diesem Grund auch als „Polizist des Waldes“ bezeichnet wird. Ob dieser Titel wirklich passend ist, soll später noch geklärt werden. Fakt ist jedoch, dass den scharfen Sinnen des Eichelhähers so gut wie nichts entgeht und dass er aus seinem sicheren Versteck in den Baumwipfeln schon unzählige Waldtiere vor ihren natürlichen Feinden oder sich anpirschenden Jägern beschützen konnte.

Der Eichelhäher zählt zu der Gattung der Rabenvögel. Anders als seine Verwandten, die Rabenkrähen, Dohlen und Kohlraben, verfügt er jedoch nicht über ein schwarzes Federkleid. Einen Eichelhäher erkennt man an seinem leicht rosa schimmernden, braunen Gefieder, den blau-schwarzen Akzenten auf den Flügen und seiner schwarz-weißen Stirnpartie. Er wird zirka 35 Zentimeter groß und kann ein Lebensalter von bis zu 17 Jahren erreichen. Zuhause ist der Vogel vor allem in den Wäldern und Parkanlagen Europas, er kann aber auch in Russland, Nordafrika und in Teilen Asiens angetroffen werden.

Ganz schön clever

Der Eichelhäher gilt als Intelligenzbestie innerhalb der Vogelwelt. Dies zeigt sich unter anderem daran, dass er in der Lage ist, Vogelstimmen nahezu perfekt nachzuahmen. Selbst Experten können seine Imitationen teilweise nicht vom Original unterscheiden. Das Nachahmen des Rufs eines Bussards oder eines Graureihers zählt zu den leichtesten Übungen des Eichelhähers. Die Mitarbeiter eines Vogelparks in Hamburg fanden heraus, dass auch die Geräusche ihrer Funkgeräte von dem Vogel täuschend echt imitiert werden konnten – was für einen kurzen Zeitraum für einige Verwirrung sorgte.

Die Bezeichnung Eichelhäher verweist auf die Lieblingsspeise des Vogels: die Eichel. Bis zu zehn von diesen kann er in seinem Kehlsack transportieren. Außerdem stehen Beeren, Nüsse sowie Insekten, Würmern und Schnecken auf dem Speiseplan des Vogels. Doch das ist noch nicht alles, denn der Eichelhäher macht sich im Sommer auch gerne über die Nester anderer Vögel her und frisst regelmäßig deren Eier und Jungtiere. Passt solch ein räuberisches Verhalten zu einem „Polizisten des Waldes“?

Unbezahlter Forsthelfer

Das Aussenden von Warnrufen, durch welches er andere Tier schützt, ist nicht die einzige Verhaltensweise des Eichelhähers, durch die er positiv auf seine Umwelt einwirkt. Er beteiligt sich auch aktiv an der Aufforstung der Wälder! Im Herbst legt das clevere Tier zumeist mehrere unterirdische Verstecke mit Eicheln, Kastanien und Haselnüssen an, damit es in der kalten Jahreszeit keinen Hunger leiden muss. Einige der Vorräte schlagen später aus, und so entstehen Dank des Eichelhähers in jedem Jahr viele neue Bäume. Aus diesem Grund finden wir den weit verbreiteten Spitznamen „Gärtner des Waldes“ auch deutlich passender für den kleinen gefiederten Forsthelfer.

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