Treu und romantisch veranlagt! Die Turteltaube ist der Vogel des Jahres 2020

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Vogel des Jahres 2020 – die Turteltaube

Treu und romantisch veranlagt! Die Turteltaube ist der Vogel des Jahres 2020

Die Turteltaube ist ein Symbol für Frieden, Liebe und Freiheit. Nun wurde dem grazilen Vogel eine ganz besondere Ehre zuteil. Er wurde zum Vogel des Jahres 2020 gekürt. Doch die Auszeichnung hat einen eher traurigen Hintergrund. Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) und der Landesbund für Vogelschutz (LBV) möchten mit der Vergabe nämlich auf die bedrohliche Lebenssituation der Turteltaube aufmerksam machen, deren weltweite Bestände seit 1980 um neunzig Prozent zurückgegangen sind. In unserem kleinen Steckbrief findet Ihr alle wissenswerten Informationen zu diesem außergewöhnlichen Tier. Außerdem erfahrt Ihr, was bereits zur Erhaltung der Vogelart getan wird und wie auch Ihr dabei helfen könnt, die Turteltaube zu schützen.

An welchen Merkmalen erkennt man eine Turteltaube?

Die Turteltaube ist eine von insgesamt fünf in Deutschland ansässigen Taubenarten und zählt zu der Gattung Streptopelia. Auffällig ist ihr besonders farbenprächtiges Gefieder. Durch ihre orange-rot gefärbte Kehle, den dunklen in Weiß endenden Schwanz, den schwarz-weißen Fleck auf dem Hals und den rötlichen Lidringen lässt sie sich auch von Laien relativ leicht identifizieren. Die Turteltaube wird bis zu 28 cm groß und verfügt über eine Flügelspannweite von knapp 50 cm. Männchen und Weibchen weisen äußerlich kaum Unterschiede auf. Ihr schlanker und windschnittiger Körper ermöglicht der Turteltaube sehr schnelle Flugzeiten und lässt sie weite Strecken zurücklegen. In Deutschland brüten pro Jahr zur Zeit nur noch 12.500 bis 22.000 Paare. Aus diesem Grund wurde die Vogelart auch bereits 2015 in die Rote Liste der Brutvögel aufgenommen und gilt als stark gefährdet.

Wie ernährt sich die Turteltaube?

Ernährungstechnisch liegt der Vogel des Jahres 2020 voll im Trend. Die Turteltaube ernährt sich fast ausschließlich vegan. Besonders gerne mag sie Wildkräuter und Baumsamen, die von ihr am Boden gesammelt werden. Auch Samen von Klee, Vogelwicke, Erdrauch und Wolfsmilch sowie Leimkraut lässt sie sich schmecken. Vor allem nach der Brutzeit frisst sie vermehrt Sonnenblumenkerne, Raps- und Weizensamen. Beeren und Pilze stehen ebenfalls auf dem Speiseplan und hin und wieder futtert sie auch ein paar Insekten oder eine kleinere Schnecke.

Wo lebt die Turteltaube und was macht ihren Charakter aus?

Unter den Taubenarten Mitteleuropas sind die Turteltauben die einzigen Langstreckenzieher. Man unterscheidet sie von den Kurzstreckenziehern, deren Überwinterungsgebiete wesentlich näher bei den Brutplätzen liegen. Zwischen Ende Juli und Oktober fliegt der Vogel des Jahres 2020 nach Afrika, um dort zu überwintern. Dabei sind sie in der Lage, bis zu 700 Kilometer am Stück zurückzulegen und erreichen Spitzengeschwindigkeiten von erstaunlichen 60 km/h. Ende April kehren die Turteltauben dann in ihre europäischen Brutgebiete in Waldsäumen oder lichten Waldgebieten zurück und beginnen mit der Balz. So wird das werbende Vorspiel der Begattung von Tieren genannt. Dabei konzentrieren sich Männchen und Weibchen auf ausschließlich einen Partner bzw. eine Partnerin und bekommen zumeist zweimal zwei Junge im Jahr. Treue spielt bei den Turteltauben demnach eine wichtige Rolle, was in der Natur in vielen Bereichen eine Ausnahme darstellt. Auch die kognitiven Fähigkeiten der Turteltaube sind außergewöhnlich. So fanden deutsche Wissenschaftler*innen heraus, dass Gehirne einiger Taubenarten dem menschlichen Hirn bei bestimmten Multitasking Aufgaben überlegen sind. Dies führen die Forscher*innen auf eine höhere Dichte an Nervenzellen zurück.

Der NABU hat in einer großen Aktion 75.000 Unterschriften gesammelt, damit die immer noch weit verbreitete Jagd auf Turteltauben in Europa ein Ende finden möge. Wenn auch Ihr etwas für den Erhalt des Vogels tun möchtet, dann könnt Ihr eine Turteltauben-Patenschaft übernehmen. Mit dieser helft ihr beim Kampf gegen die Ausrottung der Vögel und sorgt dafür, dass artgerechte Lebensräume für sie geschaffen werden. Wir sind schon sehr gespannt, welche Vogelart 2021 zum Vogel des Jahres gekürt wird. Bis dahin sind wir mit dem aktuellen Titelträger vollauf zufrieden und hoffen sehr, dass wir uns auch in Zukunft an seinem lieblichen, fast schnurrendem „turr-turr“-Gurren erfreuen können.

FOTO: NABU/R. Thierfelder

 

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