Wald als Medizin: Kann ein Waldspaziergang uns wirklich gesund machen?

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Wald als Medizin: Kann ein Waldspaziergang uns wirklich gesund machen?

Nach einer längeren Zeit im Wald fühlen wir uns zumeist entspannt und erholt. Immer mehr Studien beweisen darüber hinaus, dass regelmäßige Waldspaziergänge sich positiv auf unser Immunsystem auswirken und auch auf Krankheiten wie Bluthochdruck und Depression einen positiven Effekt haben. Hier erfährst Du alles über die heilende Wirkung des Waldes.

Eigentlich brauchen wir keine medizinischen Studien, um zu wissen, dass ein Spaziergang in der Natur gut für uns ist. In Zeiten, in denen unser Alltag immer stärker durch Hektik, Verkehrslärm und eine ständige Erreichbarkeit geprägt ist, verspüren viele Menschen ganz intuitiv das Bedürfnis, sich in ihrer Freizeit in die Natur zurückzuziehen, um dort abzuschalten, frische Luft zu atmen und die Batterien langsam wieder aufzuladen.

Dass der direkte Kontakt mit der Natur nicht nur für Entspannung sorgt, sondern sich auch positiv auf unsere Gesundheit auswirkt, vermuten Wissenschaftler und Ärzte schon lange. Der US-amerikanische Forscher Marc Bermann erfasste daher in einer groß angelegten Studie im kanadischen Toronto insgesamt 500.000 Stadtbäume. Deren Position verglichen er und sein Team mit über 30.000 medizinischen Selbstauskünften der Bewohner Torontos. So konnte Bermann beweisen, dass Einwohner, die in der Nähe vieler Bäume wohnten, deutlich weniger unter Herz-Kreislauf-Beschwerden sowie anderen Volkskrankheiten wie Diabetis und Bluthochdruck litten als Einwohner, die in weniger grünen Gebieten lebten. Die Schlussfolgerung aus den Ergebnissen war, dass Menschen, die in der Nähe vieler Bäume leben, nicht nur bessere Luft atmen, sondern auch deutlich motivierter sind, ihre eigenen vier Wände zu verlassen, um sich zum Beispiel beim Sport aktiv zu betätigen. Beides hat langfristig selbstverständlich positive Folgen für die Gesundheit.

Ein Bad in der Natur

In Japan ist man davon überzeugt, dass der Kontakt mit der Natur noch deutlich weitreichendere Auswirkungen hat. Der bekannte japanische Umwelt-Immunologe Dr. Quin Li von der Nippon Medical School in Tokio ist einer der führenden Experten für Waldmedizin. Er und andere asiatische Gesundheitswissenschaftler fanden heraus, dass regelmäßige Waldspaziergänge nicht nur das Immunsystem nachweisbar stärken, sondern auch bei Krebspatienten und Menschen mit Depression als Ergänzung zu herkömmlichen Therapieformen positiv wirken. Zurückzuführen ist dies auf die Terpene. Das sind gasförmige Substanzen, mit denen Bäume und Pflanzen untereinander „kommunizieren“. In seinen Forschungen fand Dr. Quin Li heraus, dass Menschen, die sich häufig in der Nähe von Bäumen aufhalten, deutlich mehr natürliche Killerzellen entwickeln. Diese bekämpfen diverse Krankheitserreger im Organismus und reduzieren zusätzlich auch die Produktion von Stresshormonen.

Aus diesem Grund setzt sich Dr. Quin Li seit Jahren für die japanische Kulturpraxis Shinrin Yoku ein, die weltweit immer mehr Anhänger findet. Shinrin Yoku heißt auf Deutsch so viel wie Waldbaden, muss jedoch nicht in Badehose oder im Bikini durchgeführt werden. Gemeint ist damit lediglich ein längerer Aufenthalt im Wald – im Idealfall mehrmals im Monat.

Wald auf Lunge

Deutschland gehört zu den waldreichsten Ländern in Europa, es sollte daher für die meisten von uns möglich sein, regelmäßig eine große Portion Waldluft einzuatmen. Waldmediziner empfehlen, mindestens zweimal im Monat zwei Stunden im Wald zu verbringen und dabei nicht mehr als drei Kilometer zurückzulegen. Wem der Weg in den Wald zu weit ist, der kann natürlich auch einen Park aufsuchen, denn auch die Bäume dort geben jede Menge heilende Terpene ab.

FOTO: Amos G

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